Osterholz-Scharmbeck/Scharmbeck, St. Willehadi

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Bielfeldt-Orgel in St. Willehadi Scharmbeck
Osterholz-Scharmbeck, St. Willehadi, Orgel (05).jpg
Osterholz-Scharmbeck, St. Willehadi, Orgel (07).jpg
Osterholz-Scharmbeck, St. Willehadi, Orgel (14).jpg
Orgelbauer: Erasmus Bielfeldt, Stade
Baujahr: 1731–34 / 1745
Geschichte der Orgel: nach Seggermann/Weidenbach & nomine.net:

1731–34: Neubau der Orgel mit hinterständigem Pedal

1745: Erweiterung der Orgel nach Kirchenneubau und Transferierung der Orgel in die neue Kirche durch E. Bielfeldt. Dabei Erstellung der Pedaltürme mit Prinzipal 16'. Quintade 8' im HW wird zu 16' umgebaut.

1767: Einbau einer Vox humana 8' durch Dietrich Gloger, dazu Erweiterung der Windlade und des Gehäuses

1864: Statt Quinta 3' im HW baut J. H. Rohdenberg eine eine Gamba 8' ein, statt der Pedalmixtur baut er einen Violon-Baß 16' ein und erstellt eine neue Pedalklaviatur.

1870: Die Pedalladen sind bei einem Wassereinbruch beschädigt worden und werden durch J. H. Röver ersetzt. Dabei wird der bis dahin fehlende Ton Cis ergänzt. Außerdem ersetzt er die Vox humana von Gloger durch ein Gedackt 8'.

1917: Abgabe der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken

1931: Die im ersten Weltkrieg verloren gegangenen Prospektfeifen werden durch Wetzel ersetzt, der zugleich einen neuen Magazinbalg mit Gebläse liefert.

1935: Gründliche Reparatur durch Wetzel, der die Gamba 8' durch eine Sesquialtera und den Violon 16' durch eine Mixtur ersetzt.

1970: Restaurierung durch Harry Hillebrand auf den unten wiedergegebenen Status. Rekonstruiert wurde die Pedalwindlade, die Pedalklaviatur und die fehlenden Pfeifen. Sachberatung: Harald Vogel, Franz Lengemann[1]

1974: Austausch der Balganlage von 1931 durch eine 3 fache Keilfaltenbalganlage, hierbei konnte altes Material verwendet werden.

2004: Wiedereinbau der Orgel nach Kirchenrenovierung durch Martin Hillebrand, dabei Überarbeitung der Balganlage, Versetzung des Tremulants in die Orgel, vorsichtige Überarbeitung der Intonation und Stimmung nach Bach-Kellner

Januar–März 2019: Generalsanierung nach beginnendem Schimmelbefall durch Hillebrand

Stimmtonhöhe: ca. ¾ Ton über normal
Temperatur (Stimmung): Bach-Kellner[2]
Windladen: Schleifladen
Winddruck 73 mm WS
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Registeranzahl: 23 Register
Manuale: 2 Manuale, Tonumfang: CD–c3
Pedal: Tonumfang: C–d1
Spielhilfen, Koppeln: 2 Zimbelsterne (a: mit Krallenglöckchen von 1734, b: mit Harmonieglocken Ende 18. Jhdt.)

Manual-Schiebekoppel (1734)



Disposition seit 1971/72[3]

Hauptwerk (I)[4] Brustwerk (II)[5] Pedalwerk[6]
° Quintadena 16' [7]

° Principal 8' [8]

°° Gemshorn 8' [9]

Gedeckt 8' [10]

° Octave 4'

Quinta 3' [11]

° Octave 2'

° Mixtur III-IV 11/3' [12]

° Trompete 8'

° Gedact 8'

° Floit duis 4'

° Quinta 3'

° Wald Floit 2'

° Scharff III 1/2'

° Dulcian 8'


Tremulant [11]

°° Principal 16'

° Untersatz 16'

° Octave 8'

° Octave 4'

Mixtur IV [11]

° Posaun 16'

° Trompete 8'

Cornet 2' [11]


Anmerkungen

° : Bielfeldt 1731-34 (erste Bauphase)

°°: Bielfeldt 1745 (zweite Bauphase)

  1. Diese Restaurierung gilt als ein Wendepunkt in der Orgeldenkmalpflege, da hier erstmalig das Konzept einer konservierenden Restaurierung umgesetzt werden konnte und die erhaltene technische Anlage sowie das Pfeifenwerk ohne Veränderungen im überlieferten Zustand beibehalten wurden. Wichtig war auch die erste Anwendung einer ungleichschwebenden Temperatur bei der Restaurierung einer Orgel der Schnitger-Schule. (H. Vogel, Flyer, PDF)
  2. seit 2004, vorher Werckmeister III
  3. Angaben zur Pfeifenherkunft nach willehadi.de, PDF
  4. Windlade original (1731-34) mit 1767 hinzugefügter Schleife
  5. Windlade original (1731-34)
  6. Windlade von 1970-72/74
  7. C-H 1745
  8. Prospektpfeifen (C-h°) neu
  9. C-E 1731-34
  10. Register von 1870, ursprünglich Vox humana 8'
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 Register von 1970-72/74
  12. mit Terzchor

- Manualklaviaturen original (1731-34), Pedalklaviatur rekonstruiert 1972, Balganlage rekonstruiert 1974 & 2004



Disposition seit 1935

Hauptwerk (I) Brustwerk (II) Pedalwerk
Quintade 16'

Principal 8'

Gemshorn 8'

Gedackt 8'

Oktave 4'

Oktave 2'

Sesquialtera II

Mixtur III-IV 1 1/3'

Trompete 8'

Gedackt 8'

Floite dus 4'

Quinta 3'

Waldfloit 2'

Scharff III 1/2'

Dulcian 8'

Prinzipal 16'

Untersatz 16'

Oktave 8'

Oktave 4'

Mixtur

Posaune 16'

Trompete 8'

Cornet 2'


Disposition seit 1864

Hauptwerk (I) Brustwerk (II) Pedalwerk
Quintade 16'

Principal 8'

Gemshorn 8'

Gamba 8'

Oktave 4'

Oktave 2'

Mixtur III-IV 1 1/3'

Trompete 8'

Vox humana 8'

Gedackt 8'

Floite dus 4'

Quinta 3'

Waldfloit 2'

Scharff III 1/2'

Dulcian 8'

Prinzipal 16'

Untersatz 16'

Violon-Baß 16'

Oktave 8'

Oktave 4'

Posaune 16'

Trompete 8'

Cornet 2'


Disposition seit 1767

Hauptwerk (I) Brustwerk (II) Pedalwerk
Quintade 16'

Principal 8'

Gemshorn 8'

Oktave 4'

Quinta 3'

Oktave 2'

Mixtur III-IV 1 1/3'

Trompete 8'

Vox humana 8'

Gedackt 8'

Floite dus 4'

Quinta 3'

Waldfloit 2'

Scharff III 1/2'

Dulcian 8'

Prinzipal 16'

Untersatz 16'

Oktave 8'

Oktave 4'

Mixtur IV

Posaune 16'

Trompete 8'

Cornet 2'


Disposition seit 1745

Hauptwerk (I) Brustwerk (II) Pedalwerk
Quintade 16'

Principal 8'

Gemshorn 8'

Oktave 4'

Quinta 3'

Oktave 2'

Mixtur III-IV 1 1/3'

Trompete 8'

Gedackt 8'

Floite dus 4'

Quinta 3'

Waldfloit 2'

Scharff III 1/2'

Dulcian 8'

Prinzipal 16'

Untersatz 16'

Oktave 8'

Oktave 4'

Mixtur IV

Posaune 16'

Trompete 8'

Cornet 2'


Ursprüngliche Disposition 1734

Hauptwerk (I) Brustwerk (II) Pedalwerk
Principal 8'

Gemshorn 8'

Quintade 8'

Oktave 4'

Quinta 3'

Oktave 2'

Mixtur III-IV 1 1/3'

Trompete 8'

Gedackt 8'

Floite dus 4'

Oktave 2'

Waldfloit 2'

Scharff III 1/2'

Dulcian 8'

Untersatz 16'

Oktave 8'

Oktave 4'

Mixtur IV

Posaune 16'

Trompete 8'

Cornet 2'



Bibliographie

Anmerkungen: Die Orgel gilt als das vollständigste und klanglich am besten erhaltene Werk mit zwei Manualen und Pedal aus der unmittelbaren Schnitger-Schule. Sie gehört damit zu den wichtigsten historischen Orgeln Norddeutschlands aus der Zeit Johann Sebastian Bachs.
(...) Der Orgelbaustil Bielfeldts besteht aus einer Mischung der Bauweisen von Dropa und Schnitger. Zu seinen Stilmerkmalen gehört der hohe Anteil von Blei im Pfeifenwerk und ein weicher singender Klang der Principale und Flötenregister. Der Gesamtklang (das „Plenum“) ist sehr farbig durch die Terzmixtur. Bemerkenswert sind die originalen Zungenstimmen Trompete und Dulcian in den Manualwerken sowie Posaun und Trompete im Pedal mit ihrem bläserischen Charakter.
(...) Die Bielfeldt-Orgel in der Scharmbecker St. Willehadikirche ist eines der wichtigsten Klangdokumente aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und entspricht dem Orgelstil, der beim Umbau der Orgel Georg Böhms in Lüneburg maßgebend war.

(H. Vogel, Flyer, PDF)
Discographie: The Art of Organ Sound / Komponisten-Portrait Georg Böhm. Harald Vogel. Organeum / Edition Falkenberg 978-3-95494-100-1, 2016, CD

Die Erasmus Bielfeldt-Orgel zu Osterholz-Scharmbeck. Fokko Schipper. orgelakademie.de, CD

Literatur: Seggermann/Weidenbach, Denkmalorgeln zwischen Elbe und Weser, S. 73

Harald Vogel: Festschrift anläßlich der Restauration der Bielfeldt-Orgel in der St. Willehadi-Kirche zu Osterholz-Scharmbeck, 1976

siehe orgbase.nl

Weblinks: Website der Gemeinde, Orgelvorstellung, zur Orgelgeschichte, PDF, Orgelflyer, PDF 3,5 MB, Youtube-Kanal

Die Orgel auf wikipedia.de

Eintrag bei nomine.net

Eintrag bei orgbase.nl

Zeitungsartikel: Den Sporen auf der Spur