Eppertshausen, St. Sebastian
Adresse: Hauptstraße 1, 64859 Eppertshausen, Hessen, Deutschland
Gebäude: Katholische Pfarrkirche St. Sebastian
Datei:G35 1223.jpg Der Orgelprospekt |
| Orgelbauer: | Oberlinger Orgelbau (Windesheim) |
| Baujahr: | 1975 |
| Geschichte der Orgel: | Am 26. Mai 1831 reichte der Mainzer Orgelbauer Bernhard Dreymann einen Kostenvoranschlag ein. (Disposition unten)
Obwohl am 10. September 1831 ein Vertrag abgeschlossen wurde, in dem zusätzlich festgelegt wurde, dass der Spieltisch mittig an die Orgelfront kommen sollte, wurde die Orgel zunächst einmal nicht gebaut. Am 10.01.1837 lieferte Kantor Rinck auf Anfrage zwei Dispositionsentwürfe, einen mit einem Manual und einen mit zwei Manualen, zudem empfahl er Gottlieb Dietz aus Zwingenberg für den Bau. Schon im Frühjahr reichte Dietz zwei Überschläge für einen Orgelneubau ein, wies allerdings ebenfalls darauf hin, dass er durch einen Orgelbau in Offenbach am Main erst nach Pfingsten mit dem Bau beginnen könne. Am 09.03.1837 fiel die Entscheidung Dietz mit dem Neubau zu beauftragen, und am 02.04. wurde der Vertrag geschlossen, welchem der einmanualige Dispositionsentwurf von Kantor Rinck zugrunde lag. Dieser Neubau kam allerdings ebenfalls nicht zustande, da Dietz den Liefertermin der Orgel in Offenbach am Main nicht einhalten konnte. Aus diesem Grund wurde der Vertrag mit Dietz aufgelöst und am 23.08.1837 mit Dreymann ein neuer Vertrag ausgehandelt. Am 24 August 1838 erfolgte die Revision durch Kantor Rinck, eine Disposition der letztendlich gebauten Orgel ist aus der Zeit der Erbauung nicht überliefert. 1863 wurde ein neunjähriger Wartungsvertrag mit Rothermel abgeschlossen. 1917/18 mussten die Prospektpfeifen sowie die Pfeifen eines Registers zusammen mit den Kirchenglocken abgeliefert werden. Am 24.02.1926 wurde ein Wartungsvertrag mit Heinrich Bechstein aus Groß-Umstadt abgeschlossen. Zwei Jahre später wurde durch Bechstein ein elektrisches Orgelgebläse geliefert. Weitere zwei Jahre später rüstete Bechstein die zuvor abgelieferten Orgelpfeifen nach. Da während des Krieges keine Reparaturen an der Kirche unternommen werden konnten, sind größere Schäden entstanden, unter anderem auch am Dach. Dadurch konnte Regenwasser ins Kircheninnere und somit auch in die Orgel gelangen. Als Folge hat die Orgel schwere Schäden davongetragen. 1948 wurde ein Wartungsvertag mit Johann Appel aus Groß-Umstadt abgeschlossen. Ein Jahr später konnte das benötigte Baumaterial beschafft werden, um die Dachschäden an der Kirche zu reparieren. Im Anschluss wurde auch die Orgel überholt, auch wenn ein Teil der Register nicht mehr nutzbar war und ausgetauscht werden musste. Die Renovierung kostete etwa 600,00 DM und wurde durch Appel durchgeführt. 1952 wurde im Rahmen einer Innenraumrenovierung die Orgel elektrifiziert und auf der Empore nach hinten gerückt, um mehr Platz für den Chor zu schaffen, der Spieltisch wurde freistehend auf der Epistelseite positioniert. Ausführender Orgelbauer für diese Änderungen war Appel. 1972-75 wurde der Innenraum erneut renoviert. Im Rahmen dieser Renovierung wurde die Firma Gebrüder Oberlinger aus Windesheim mit der Erweiterung der Orgel beauftragt. Das Gehäuse wurde hierbei wieder in seine Ursprungsposition zurückversetzt, der Spieltisch wurde an seiner alten Position am Gehäuse neu gebaut. Bei den neuen Registern wurden andere Dreymann Dispositionen als Vorbild verwendet, sowie die Mensur und Bauweise dem bestehenden Pfeifenwerk angepasst, um einen homogenen Orgelklang zu erzielen. Bei einer späteren Kircheninnenraumrenovierung wurde das Orgelgehäuse farblich neugestaltet. Da im Laufe der Zeit durch viele kleinere Reparaturen und Austausche im Pfeifenwerk, die durch verschiedene Orgelbauer durchgeführt wurden, ist der Anteil originaler Dreymann Register immer weiter zurückgegangen. Weil zudem keine Aufzeichnungen von Details dieser Reparaturen vorhanden sind, lässt sich nur noch bei wenigen Registern ihre Dreymann-Herkunft bestätigen. Ein erhaltenes Dreymann Register, welches einer besonderen Erwähnung bedarf, ist die Posaune 16’ im Pedal. Sie ist ein aufschlagendes Zungenregister, bei welchem die Becherlängen normalerweise auf halber Länge oder voller Länge festgelegt ist. Eigentümlicherweise ist die Becherlänge in Eppertshausen eine Terzlänge, diese bauliche Besonderheit hat die negative Eigenschaft, dass die Stimmung nur sehr schlecht gehalten wird. Es ist davon auszugehen, dass dies der Grund ist, dass Dreymann in späteren Orgeln von dieser Bauart absah. |
| Gehäuse: | Bernhard Dreymann (Mainz) 1837 |
| Spieltraktur: | mechanisch |
| Registertraktur: | elektrisch |
| Registeranzahl: | 26 |
| Manuale: | 2, C-g3 |
| Pedal: | C-f1 |
| Spielhilfen, Koppeln: | II/I, I/P, II,P, 2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Tutti, Organo Pleno |
Oberlinger Disposition ab 1975
| I Hauptwerk | II Positiv | Pedal |
Bordun 16' Principal 8' V. d. Gambe 8' Gedackt 8' Salicional 8' Octave 4' Spitzflöte 4' Gedacktflöte 4' Quinte 3' Superoctave 2' Cornet 4f (ab c) Mixtur 5f 2' Trompete 8' |
Gedackt 8' Flaut traverse 8' Principal 4' Kleingedackt 4' Waldflöte 2' Quinte 11/3' Mixtur 4f 1' Fagott 8'
|
Subbass 16' Principalbass 8' Violonbass 8' Octavbass 4' Posaune 16' |
Dreymann Disposition aus dem Kostenvoranschlag 1831
| I Hauptwerk | Pedal |
Bordun 16' Principal 8' Floete 8' Viola da Gamba 8' Grossgedact 8' Kleingedackt 4' Octava 4' Gemsquinta 3' Waldfloete 2' Superoktav 2' Cornet 4f Mixtur 4f 11/2' |
Subbass 16' Violenbass 8' Principalbass 8' Posaunbass 16' |
Bibliographie
| Anmerkungen: | Andere Quellen: Eigensichtungen 2022-2025 |
| Literatur: | Chronik der Pfarrgemeinde St. Sebastian Eppertshausen - Wilhelm Körner 1988
Die Orgelbauwerkstatt Dreymann in Mainz - Achim Seip ISBN: 3-921 848-21-0 veröffentlicht 1993, Herausgeber: Orgelbau-Fachverlag Rensch |
| Weblinks: | Website der Kirchengemeinde |