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Baden-Baden, Kurhaus


Das Kurhaus vor 1944
Außenansicht (2020)
Inneres mit Haupttreppe (2008)
Das Kurhaus 1898
Orgelbauer: Heinrich Voit & Söhne
Baujahr: 1916
Geschichte der Orgel: Disposition und Aufbau wurden von Musikdirektor Philipp Wolfrum aus Heidelberg entworfen, der auch die vielbeachtete Orgel der dortigen Stadthalle geplant hatte, was durch die sehr ähnliche Disposition deutlich wird. Der Aufstellungsort war hinter der Bühne vorgesehen, das Werk fand jedoch schließlich direkt darüber im Tonnengewölbe hinter einem filigranen Holzgitter letztendlich Platz. Alle Pfeifen standen in einem Generalschweller, wodurch das separat schwellbare III. Manual einen sehr gedämpften Klang erhielt, und daher auch als "Fernwerk" bezeichnet wurde.

Der Firmennachfolger Carl Hess erhält 1933 den Auftrag für eine Instandsetzung; aus Kostengründen wird die gleichzeitig angebotene Erweiterung (welche einen Klangumbau beinhaltet hätte) - aus heutiger Sicht glücklicherweise - nicht genehmigt. Nach diversen Umbauten des Kurhauses um das Jahr 1960 (u.a. Einbau einer Zwischendecke mit Beleuchtung, wodurch die Orgel nicht mehr hörbar war) verkaufte man den Spieltisch. DIe Orgel wurde 1980 abgebaut und in einem alten Weingut sowie einer Außenstelle des badischen Denkmalamts eingelagert, wo sie später wiederentdeckt und schließlich in den Bestand von Orgelbau Vleugels übernommen wurde.

2020 wurde bekannt, dass die Orgel in der Pfarrkirche Erbendorf (Lkr. Tirschenreuth/Oberpfalz wieder aufgestellt werden soll.

Umbauten: 1917 Hinzufügung des Glockenspiels nach dem Vorschlag von Ph. Wolfrum. Eine Erweiterung um ein weiteres Register (Gamba 8', schwebend, für das I. Manual) wird ebenfalls von Wolfrum vorgeschlageb, kann mangels Platz jedoch nicht eingebaut werden.
Gehäuse: Ohne sichtbares Gehäuse, Kammer im Tonnengewölbe
Windladen: Hängeventilladen
Spieltraktur: elektropneumatisch
Registertraktur: elektropneumatisch
Registeranzahl: 51 (54)
Manuale: 3 C-a3
Pedal: C-f1
Spielhilfen, Koppeln: originale Spielhilfen:[1]

Koppeln: Normalkoppeln, Generalkoppel, Suboktavkoppeln, Superoktavkoppeln

Spielhilfen: freie Kombinationen, Labialtutti, Zungentutti, Generaltutti, Tutti, Crescendowalze, Koppeln aus der Walze, Zungen Ab, Automatisches Pianopedal; Generalschweller



Disposition

I Hauptwerk II Positiv III Schwellwerk Pedal
Großprincipal 16'

Principal 8'

Harmonieflöte 8'

Spitzflöte 8'

Gedeckt 8'

Octave 4'

Rohrflöte 4'

Superoktav 2'

Mixtur 3-4f

Cornett 3-5f

Fagott 16'

Tuba 8'

Clarine 4'

Celesta[2]

Bordun 16'

Geigenprincipal 8'

Konzertflöte 8'

Lieblich Gedackt 8'

Salicional 8'

Unda maris 8'

Quintatön 8'

Kleinprincipal 4'

Flauto amabile 4'

Quinte 22/3'

Waldflöte 2'

Terz 13/5'

Cymbel 3f

Engl. Horn 8'

Oboe 4'

Zartgedackt 16'

Diapason 8'

Zartflöte 8'

Aeoline 8'

Vox coelestis 8'

Nachthorn 8'

Traversflöte 4'

Dolce 4'

Gemshorn 4'

Flautino 2'

Echocornett 3-4f

Klarinette 8'[3]

Untersatz 32'[4]

Principalbass 16'

Contrabass 16'

Subbass 16'

Bourdonbass 16'[5]

Octavbass 8'[6]

Violoncello 8'

Stillgedeckt 8'[7]

Basset 4'

Bombarde 16'

Trompete 8'

Clairon harm. 4'

Oboe 4'[5]


Anmerkungen

  1. die für den neuen Spieltisch geplanten Spielhilfen sind noch nicht bekannt
  2. 1917 hinzugefügt
  3. durchschlagend
  4. akustisch
  5. 5,0 5,1 Transmission aus dem II. Manual
  6. laut der von Anni Hess (welche die Voit-Nachfolgefirma Hess nach dem Tod von Carl Hess führte) aufgezeichneten Disposition Quintbass 51/3'
  7. Transmission aus dem I. Manual



Bibliographie

Anmerkungen: Die Kurhausorgel stellt die einzige vollständig erhaltene (klanglich unveränderte) Konzertsaalorgel von Heinrich Voit dar. Gemeinsam mit den Konzertorgeln von Heidelberg (1906), dem Smetanasaal in Prag (1912) und der Rekonstruktion von Heinrich Voits opus magnum in der Lisztakademie Budapest (1907) ist die Kurhausorgel die vierte und gleichzeitig jüngste noch existente Saalorgel der Durlacher Fabrik. Daneben existiert noch in der Pfarrkirche Mückeln die ehemalige Orgel aus dem Trierer Saalbau "Treviris" aus dem Jahr 1900 in leicht veränderter Form.
Literatur: Markus Zepp: "Ein Meisterwerk der bekannten Orgelfabrik H. Voit & Söhne in Durlach" - Die Geschichte der Voit-Orgel im Kurhaus Baden-Baden. In: Ioculator Dei - Festschrift für Andreas Schröder zum 60. Geburtstag. Verlag Freiburger Musik Forum (1999)

Die Voit-Orgel der Stadthalle Heidelberg. Schriftenreihe des Stadtarchivs Heidelberg (1993), Kap. 1.3.2

Weblinks: Seiten des Fördervereins Erbendorf