Rötha, St. Marienkirche

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Silbermannorgel in der Marienkirche Rötha
Orgelbauer: Silbermann, Gottfried
Baujahr: 1722
Geschichte der Orgel: Bis zu Anfang des 18. Jahrhunderts ist keine Orgel nachweisbar.

1715 wurde ein gebrauchtes Positiv aus Leipzig angekauft.

Nach Fertigstellung der neuen Orgel für die St. Georgenkirche sollte die alte Orgel von Josias Ibach aus dem Jahre 1614 in die St. Marienkirche umgesetzt werden. Beim Abtragen der Orgel stellte Silbermann zahlreiche Mängel fest, sie wurde in einem "dermaßen schlechten Zustande gefunden, dass die vorhabende transportation und Reparatur ohne effect gewesen". Der Kirchenpatron Christian August Freiherr von Friesen entschloss sich daher zu einem Neubau. Der Kontrakt mit Silbermann wurde am 12. November 1721 geschlossen. Gebaut wurde eine einmalige Orgel mit 10 Manualregistern und einem Pedalregister. Silbermann fügte noch eine Terz 1 3/5‘ und einen fest an das Manual gekoppeltes Pedal mit Subbaß 16‘ hinzu. Das Datum der Fertigstellung und der Weihe sind nicht bekannt (vermutlich Ostern 1722).

Umbauten: 1833/34 Reparatur und Umbau durch Urban Kreuzbach, Borna: er machte die bis dahin feste Pedalkoppel schaltbar, entfernte den Tremulanten und temperierte die Orgel gleichstufig.

1917 Abgabe von 29 blinden/stummen Prospektpfeifen für die Kriegsindustrie.

1935 Restaurierung der Orgel durch die Orgelbaufirma Hermann Eule, Bautzen, dabei wurden die 1917 beschlagnahmten blinden Prospektpfeifen und einige entwendete Pfeifen ersetzt, ferner ein Elektroventilator eingebaut.

1942 Auslagerung der Orgel in die Georgenkirche wegen Baufälligkeit von St. Marien.

Nach 1945 Aufbewahrung in der Georgenkirche.

1950 stand sie während des Bach-Festes im Saal des Alten Rathauses Leipzig und anschließend in der Berliner Bach-Ausstellung (Schloß Charottenburg).

1960 Reparatur und Wiederaufstellung am ursprünglichen Standort in der Marienkirche durch die Orgelbaufirma Hermann Eule.

1975 und 1977 umfassende Restaurierung durch die Orgelbaufirma Hermann Eule, Bautzen.

2007/08 Restaurierung der Orgel durch die Orgelbauwerkstatt Ekkehart Groß (Waditz), u.a. Rekonstruktion des Tremulanten.

Stimmtonhöhe: Chorton, gegenwärtig 464,6 Hz/a1
Temperatur (Stimmung): "sog. Silbermann-Sorge-Stimmung"
Windladen: Schleifladen
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Registeranzahl: 11
Manuale: 1, C,D-c3
Pedal: 1, C,D-c1
Spielhilfen, Koppeln: PEDAL-COPPEL, Tremulant (bis 1834 und ab 2008)





Disposition

Manual C,D-c3 Pedal C,D-c1
Principal 8 Fuß

Gedackt 8 Fuß

Octava 4 Fuß

Rohr Flöte 4 Fuß

Nassat 3 Fuß

Octava 2 Fuß

Tertia (1 3/5 Fuß)

Quinta 1 1/2 Fuß

Sufflet 1 Fuß

Cymbeln (2fach)

Subbass 16 Fuß



Bibliographie

Discographie: SLUB-Katalog: Felix Friedrich an den Orgeln in Bad Lausick, Rötha/St. Marien, Schweikershain und Glauchau. Erschienen: [S.l.: Querstand, [2005], CD]

SLUB-Katalog: Mendelssohn in England : Chor- und Orgelwerke, Hallenser Madrigalisten , Altenburg (Leipzig): Klaus-Jürgen Kamprad, c 1998, CD

Literatur: Claessens, Stefan: Facture d'orgues et interprétation. Rapport sur le workshop ISO du 12 au 14 novembre 2011 à Leipzig et ses environs / Orgelbau und Interpretation. ISO Journal, N° 38, 2011, 36-46. · Disp.: Rötha, Marienkirche (G. Silbermann, 1722); Leipzig. Michaeliskirche (Wilhelm Sauer, 1904); Hohenmölsen, ev. Stadtk. St. Peter (Friedr. Ladegast, 1851); Naumburg, Wenzelskirche (Zacharias Hildebrandt, 1748).

Dähnert, Ulrich: Historische Orgeln in Sachsen. Ein Orgelinventar. Leipzig, VEB Deutscher Verlag für Musik,1980, S.242-244 (Rötha, St. Marien).

Disposition zur kleinen Silbermannschen Orgel in der Marienkirche zu Rötha. Urania 29, 1872, 39 f. · Kontrakt, 12.11.1721. I/9.

Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen, Orgeldatenbank ORKASA

Flade, Ernst: Gottfried Silbermann. Leipzig, VEB Deutsche Musikaliendruckerei, S. 111-112 (Rötha, St. Georgen und Rötha, St. Marien).

Felix Friedrich/Vitus Froesch: Orgeln in Sachsen. Ein Reiseführer. Altenburg, Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, 2. Verbesserte Auflage 2017, S.61-62.

Greß, Frank-Harald: Dokumentation der Silbermann-Orgel der St. Marien Kirche in Rötha. SLUB, Manuskript.

Greß, Frank-Harald: Die Orgeln Gottfried Silbermanns, Dresden, Michael Sandstein Verlag 2001 (Rötha, St. Marienkirche, S.54-55).

Greß, Frank-Harald: Rötha und die Orgeln Gottfried Silbermanns, mit Beiträgen von Hildegard Schumann, Brigitte Steinbach, Gerhart Pasch, Südraumjournal 13, Rötha 2001, mit Fotokopie des Bauvertrages.

Lexikon norddeutscher Orgelbauer, Bd.2, Sachsen und Umgebung, Pape-Verlag Berlin, 2012, S.370 (Rötha, St. Marienkirche).

Literaturdatenbank der Gesellschaft der Orgelfreunde

Müller, Werner: Gottfried Silbermann, Persönlichkeit und Werk. Eine Dokumentation. Leipzig, VEB Deutscher Verlag für Musik 1982, 1. Auflage, S.179-182 (Rötha, St. Marienkirche).

Ritter, Johann Ludwig: Etwas zur Feyer des ersten Jubiläums der beyden Silbermannischen Orgeln in Rötha. Leipzig 1821.

Schaab, Rob.: Einige Nachrichten, die Erbauung der beiden Silbermannischen Orgeln in Rötha 1721 und 1722 betreffend. Urania 29, 1872, 40-42. · Größere Orgel in St. Georg. II/22. Steinke, Gerhard:

"Orgeln 2020" - Orgelkalender (St. Benno-Verlag Leipzig)

Weblinks: Wikimedia, Rötha, St. Marienkirche

Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e.V., Rötha, St. Marienkirche

Beschreibung auf orgbase.nl

Sebastian Heindl, Konzertmitschnitt 2012: Pachelbel, Walther, Bach