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Ott-Orgel der Ev.-ref. Kirche Göttingen
Göttingen, Evangelisch-Reformierte Kirche (2).jpg
Göttingen, Evangelisch-Reformierte Kirche (3).jpg
Orgelbauer: Paul Ott, Göttingen
Baujahr: 1969
Geschichte der Orgel: Die Orgel steht in der ehemaligen Fürstenloge und ist das vierte Instrument der Kirche.

Erste Orgel: Hansen, 1766/67

Zweite Orgel: Kuhlmann 1816/17 aus Stöckheim, umgesetzt/-gebaut durch Giesecke

Dritte Orgel: Furtwängler & Hammer 1913/14

Umbauten: 1997 Renovierung durch Ingo Kötter, Göttingen (Waake):

Erhöhung des Winddrucks, Neuintonation der Pfeifen zwecks Anspracheverbesserung und Erzielung eines runderen, weniger grellen Gesamtklanges, Herabsetzung der Stimmtonhöhe auf den üblichen Kammerton, um ein Zusammenspiel mit anderen Instrumenten zu ermöglichen.

Stimmtonhöhe: a1= 440 Hz
Windladen: Schleifladen
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Registeranzahl: 15
Manuale: 2, C-f3
Pedal: C-f1
Spielhilfen, Koppeln: Koppeln II/I, I/P, II/P



Disposition

I Hauptwerk II Brustwerk Pedal
Prinzipal 8'

Holzflöte 8' [1]

Oktave 4'

Gemshorn 2'

Mixtur 3-5f.

Gedackt 8'

Rohrflöte 4'

Prinzipal 2'

Zimbel 1f. 2/3'

Musette 8'


Tremulant

Subbass 16'

Oktavbass 8'

Rohrflöte 4'

Rauschpfeife 2f. 11/3'+2'

Trompete 8'


Anmerkungen
  1. Kuhlmann 1817, Vorgängerorgel


Dispositionsvorschlag von Ott (1958)

I Hauptwerk II Brustwerk Pedal
Prinzipal 8'

Holzflöte 8'

Oktave 4'

Nasat 22/3'

Gemshorn 2'

Mixtur 3-5f.

Gedackt 8'

Rohrflöte 4'

Prinzipal 2'

Terzian 13/5'

Quinte 11/3'

Oktave 1'

Holzregal 8'


Tremulant

Subbass 16'

Oktavbass 8'

Quintadena 4'





Bibliographie

Anmerkungen: Die vierte Orgel: (Verfasser: Eike Dietert, s. "Literatur", mit frdl. Genehmigung)

Am 7. Oktober 1958 legte Paul Ott eine "Disposition für eine neue mechanische Orgel" vor, die ein Hauptwerk mit sechs, ein Brustwerk mit sieben und ein Pedal mit drei Registern umfassen sollte, wobei er fünf alte Register aus der vorhandenen Orgel in die neue übernehmen und dafür teilweise umarbeiten wollte. Bis zur Ausführung sollte jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen, in dem durch mehr oder weniger sachverständige Berater das ursprüngliche Konzept stark abgeändert wurde - nicht unbedingt zum Besseren. So wurde schließlich 1969/70 eine Orgel erbaut, die in allen drei Werken je fünf Register hatte, wobei das Pedal zwar an Eigenständigkeit gewonnen, die Manuale hingegen nicht nur einfach an Registerzahl, sondern auch an Vielfalt der K1angfarben erheblich eingebüßt haben. Außerdem war jetzt nur noch ein Register aus dem Bestand von 1817 wiederverwendet worden (die leicht konisch gebaute Hohlflöte 8' aus Eichenholz, nun "Holzflöte" genannt). Zwar wurden auch die beiden tiefsten Pedalregister mit alten Pfeifen besetzt, aber diese stammten nicht aus der hiesigen Orgel, sondern "aus altem Werkstattbestand" der Firma Ott (d.h. aus andernorts abgebrochenen Orgeln).

Dass die nunmehr vierte Orgel an diesem Platz technisch und klanglich als eigenständiger Neubau ausgeführt wurde, war in Anbetracht des voraufgegangenen Neubaus von 1913 kaum anders denkbar, und über die ideale Disposition für eine neue Orgel wird es immer verschiedene Meinungen geben. Aus denkmalpflegerischer Sicht höchst ärgerlich ist es aber, dass das früher bereits ungünstig veränderte Gehäuse (das älteste in der Göttinger Innenstadt!) nicht etwa in seine alte Gestalt zurückgeführt, sondern noch weiter verfremdet wurde: In Anlehnung an den von den Vertretern der neobarocken "Orgelbewegung" als mustergültig angesehenen "Hamburger Prospekt" des 17. Jahrhunderts - und damit im Gegensatz zu dem im 18. und frühen 19. Jahrhundert für Südniedersachsen und Nordhessen charakteristischen Stil - erhielten die beiden kleinen flachen Pfeifenfelder zwischen den großen Pfeifentürmen jeweils ein mit stummen Pfeifen besetztes "Obergeschoss" (über dem verbliebenen alten Abschlussgesims). Ferner wurde das Orgelgehäuse unter Ausnutzung der wenigen bisTang noch verbliebenen Zentimeter Zwischenraum nun sozusagen bis zum Anschlag unter die Kirchendecke gerückt. Entfernt wurden dabei die hölzernen "Vasen", die zuvor die beiden Seitentürme bekrönt hatten. Mögen sie auch nur Kopien der entsprechenden Dekorationen auf dem 1773 entstandenen Kanzelbaldachin und also in ihrer Gestalt Vertreter einer anderen Stilepoche als der Orgelprospekt gewesen sein, so gehörten doch derartige Vasen auch noch im frühen 19. Jahrhundert zu den beliebten Zierelementen und sind bei anderen, ungefähr gleichzeitigen Kuhlmann-Orgeln in ähnlicher Form erhalten (vielleicht stand ursprünglich sogar auf dem Mittelturm eine weitere Vase oder eine andere Verzierung). Und schließlich traten noch an die Stelle der für die hiesige Gegend typischen Gitterfelder in den Seitenwänden nun geschlossene Füllungen.

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert im Dienst wurde im Frühjahr 1997 eine endlich notwendige Renovierung der Orgel vorgenommen. Die Ausführung der Arbeiten lag in den Händen der Orgelbauwerkstatt Ingo Kötter in Göttingen-Geismar. Dabei wurde auch durch eine Erhöhung des Winddruckes und eine Neuintonation der Pfeifen deren Ansprache verbessert und ein runderer, weniger greller Gesamtklang erzielt. Außerdem wurde im Interesse der gottesdienstlichen Verwendung und der Möglichkeit zum Zusammenspiel mit anderen Instrumenten die Tonhöhe auf den üblichen Kammerton heruntergesetzt, was allerdings leider auch mit Veränderungen an den wenigen historischen Pfeifen verbunden war.

Literatur: Eike Dietert, Zur Geschichte der Orgeln in der Evangelisch-Reformierten Kirche zu Göttingen, Hg. Ev.-Ref. Gemeinde Göttingen, 1999, 12 Seiten, Auslage in der Kirche

Archiv der Ev.-Reformierten Gemeinde Göttingen

Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover (Hann. 74 Einbeck Nr. 1528)

Johann Adam Heilmann: Die Begründung der evangelisch-reformierten Gemeinde in Göttingen. In: Protokolle über die Sitzungen des Vereins für die Geschichte Göttingens im zwölften Vereinsjahre 1903/1904, Göttingen 1904

Weblinks: Evangelisch-Reformierte Gemeinde Göttingen

Wikipedia-Eintrag


Die evangelisch-reformierte Kirche in Göttingen im Porträt: