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Schorn-Orgel der kath. Pfarrkirche St. Nikolaus Euskirchen-Kuchenheim
Euskirchen-Kuchenheim, St. Nikolaus (3).jpg
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Orgelbauer: Franz Joseph Schorn, Kuchenheim
Baujahr: 1896
Geschichte der Orgel: 1982 & 2007 Restaurierungen durch Fa. Weimbs (Intonation: Friedbert Weimbs)
Stimmtonhöhe: a1= 440 Hz (18°C)
Temperatur (Stimmung): gleichstufig
Windladen: Schleifladen (durchschoben), Winddruck 84 mm WS
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Registeranzahl: 20
Manuale: 2, C-f3
Pedal: C-d1
Spielhilfen, Koppeln: Koppeln II/I, I/P



Disposition

I Hauptwerk II Positiv Pedal
Bourdon 16'

Principal 8'

Gedeckt 8'

Gemshorn 8'

Gamba 8'

Octave 4'

Harmonieflöte 4'

Quinte 22/3'

Flageolet 2'

Terz 13/5'

Trompete 8' (B/D) [1]

Geigenprincipal 8'

Flaut travers 8'

Salicional 8'

Dolce "schwebend" 8'

Gedeckt 8'

Flöte 4'

Subbaß 16'

Octavbaß 8'

Cello 8'


Anmerkungen
  1. Bass/Diskant (2 Registerzüge)




Bibliographie

Anmerkungen: Das Instrument gilt als die größte erhaltene Schorn-Orgel und steht unter Denkmalschutz.

1 Doppelfaltenbalg mit einzelnem Keilschöpfbalg, Balgtretanlage


Der Kuchenheimer Orgelbauer Franz-Joseph Schorn (1834 bis 1905) von Volker Prinz


Die Qualität und das Innenleben der Schorn-Orgeln von Volker Prinz (Quelle, mit freundl. Genehmigung)]

Die Orgeln Franz-Joseph Schorns waren in der damalige Zeit wegen ihrer soliden handwerklichen und klanglichen Qualität sehr begehrt. Seine Orgeln wurden von Sachverständigen immer lobend bewertet. Das künstlerische Niveau der Instrumente ragte zu seiner Zeit weit über den damaligen deutschen Orgelbau hinaus. Während sich andere Orgelbauer modernen technischen Neuerungen hingaben und bereits Kegelladen mit pneumatischen Trakturen bauten, hielt Schorn an traditionellen Prinzipien fest und baute ausschließlich nur mechanische Schleifladen. Unter den Orgelbauern seiner Zeit galt er als rückständig.

Den Gemeinden wurde der Ankauf einer Schorn-Orgel noch zu einer Zeit empfohlen, wo man zur pneumatischen Orgel überwechselte und zur gleichen Zeit im Nachbarort von den gleichen Gutachtern bereits „moderne“ Orgeln abgenommen wurden. Heute weiß man jedoch, dass die vermeintlichen Fortschritte im Orgelbau des 19./20. Jahrhunderts in eine Sackgasse geführt haben, und so ist der konservative Schorn im Grunde genommen moderner als mancher Orgelbauer seiner Zeit. Schorn hat die rheinische Tradition im Orgelbau bis zuletzt bewahrt.

Wie anfangs erwähnt, baute Schorn ausnahmslos Schleifladen mit mechanischer Ton- und Registertraktur. Er verzichtete bei allen Orgeln auf Spielhilfen. Die Manual- und Pedalkoppeln sind ebenfalls mechanisch und als Wippenbalkenkoppeln angelegt. Sub- und Superoktavkoppeln und andere Hilfsmittel, wie z.B. den Tremulanten, verwendete Schorn nicht. Die Windladen sind aus Eiche, mit eingeleimten Pulpeten auf der Ober- und Unterseite, und mit Verbindern durch den Windkasten versehen und in eine C- und Cis-Seite eingeteilt, so dass in der Mitte ein Stimmgang freibleibt. Die kleineren Orgeln wie z.B. Zingsheim, Kreuzweingarten, Kleinbüllesheim, Dom-Esch besitzen jeweils eine Zwillingslade mit zwei Ventilen und drei Ventilöffnungen. Somit ist das Nebenwerk direkt an das Hauptwerk „gekoppelt“. Hier handelt es sich also im Grunde um eine ständig wirkende Ventil-Manualkoppel II/I. Diese Orgeln sind sehr eng gebaut und besitzen deshalb keinen Stimmgang.

Bei diesem, von den Orgelbauern des 19. Jahrhunderts oft benutzten System, stehen zwei Manualwerke auf einer Lade, die man trotzdem nur mit der Manualkoppel verbinden konnte. Bei diesen Orgeln befindet sich der Stimmgang in der Mitte der Orgel zwischen der C- und Cis-Seite (Schwerfen, Gierath, Frauwüllesheim). Die größeren Instrumente besitzen noch separate Windladen, z.B. im Unterwerk hinter eine nicht durchbohrten Frontwand (Kirchheim, Nettesheim, Kierdorf, Stotzheim, Büttgen). Das Hauptwerk befindet sich immer hinter dem Prospekt; das Pedal steht immer an der Rückwand neben dem Stimmgang. In Kuchenheim befindet sich das Nebenwerk auf der gleichen Höhe hinter dem Hauptwerk, getrennt vom Stimmgang. Hinter dem Nebenwerk befindet sich das Pedal. Hier ist in der Orgel alles auf einer Ebene. Die Orgeln Schorns zeichnen sich durch eine auffallende Normierung aus, die sich vor allen Dingen beim Spieltisch, bei den Windladen und der übrigen technischen Anlage zeigt. Auch die Gehäuse, die Ähnlichkeit mit denen von Johann Müller, Viersen haben, weisen eine gewisse Gleichartigkeit und Typisierung auf.

Man vermutet, dass Schorn einzelne Orgelteile von Zulieferfirmen bezogen hat. Vermutlich konnte er in seiner kleinen Werkstatt weder Pfeifen gießen, noch größere Orgelteile selbst herstellen. Die Windladen, Holzpfeifen, Spieltische, Manubrien, Balganlagen stellte er selbst her. Beweis dafür ist ein Langhobel zum Abrichten von Holzpfeifen, der als einziges Werkzeug Schorns noch erhalten geblieben ist. Für das Vorhandensein eines Zulieferers spricht auch die Verwendung von Spessart-Eiche in sämtlichen Schorn-Orgeln. Dieses Holz findet man sonst nirgendwo in rheinischen Orgelbauten des 19. Jahrhunderts. Es war im ganzen Rheinland völlig ungebräuchlich. Offensichtlich beauftragte Schorn eine Firma in Süddeutschland, die einzelne Orgelteile nach seinen Plänen herstellte.

Schorn hatte vermutlich einen sehr preiswerten Zulieferer gefunden, denn sonst hätte er nicht so „billig“ anbieten können. Letztlich hat Schorn die einzelnen Orgelteile wohl mehr oder weniger nur zusammengebaut und das Pfeifenwerk, das er von Pfeifenmachern bezog, lediglich intoniert. Untersucht man die Pfeifen der Orgeln, so stellt man fest, dass Schorn beste Qualität abgeliefert hat, besser als manch anderer Orgelbauer seiner Zeit, der seine Pfeifen selbst hergestellt hat. Die Lötnähte sind unglaublich sauber und professionell gelötet worden. Vergleicht man die Bauzeiten der Schorn-Orgeln, so stellt sich heraus, dass Schorn für die Herstellung einer etwa 10-Register-Orgel ca. ein Jahr benötigte. Entsprechend der doppelten Registerzahl betrug die Bauzeit der Kuchenheimer Orgel (20 Register) ca. zwei Jahre. Für seine größte Orgel in Bad Münstereifel (24 Register) benötigte er ca. drei Jahre.

Dieses Verhältnis von der Orgelgröße zur Bauzeit spricht ebenfalls für Zulieferfirmen, den Schorn hätte eine 20-Register-Orgel im Eigenbau mit den damaligen beschränkten technischen Möglichkeiten und in einer viel zu kleinen Werkstatt nicht in zwei Jahren herstellen können. Man vermutet, dass Schorn seine Orgeln vor Ort gebaut hat, und den Gehäusebau nach seinen Zeichnungen und Maßen einem Altar-Schreiner anvertraut hat. Danach baute er die einzelnen Orgelteile ein. Die Orgelbauer wurden damals auch bei Familien in den jeweiligen Orten untergebracht und verpflegt.

Die damaligen Transportmöglichkeiten mit dem Pferdekarren waren doch sehr aufwendig. Ganze Orgeln hätte Schorn nie transportieren können. Die Zulieferfirmen Schorns sind uns heute nicht mehr bekannt, da mit seiner Werkstatt und seinem Handwerkszeug auch alle von ihm verfassten Dokumente und Baupläne verloren gegangen sind. Die Dokumente, die man heute hat, stammen von den Pfarrarchiven und den Zeitungsartikeln, die als Dichtungsmaterial von Gedacktpfeifen verwendet wurden. Seine Gehilfen waren sein Bruder und sein Vetter. Ungeklärt ist der Grund der Verwendung der Spessart-Eiche. Die Spessart-Eiche hat keine Astlöcher, meinte Orgelbauer Josef Weimbs.

Die Orgeln Franz-Joseph Schorns sind ausschließlich für die Liturgie bestimmte Instrumente. Der Klang der Orgeln ist füllig, aber nicht dick; kräftig, jedoch in der Lautstärke dem Kirchenraum angepasst. Aus diesem Grund baute Schorn alle seine Werke zweimanualig, wobei das stets ausgewogen disponierte Hauptwerk u.a. zum Ein- und Auszug und zur Begleitung des Gemeindeganges diente, und das Flöten- und „Säuselstimmen“ enthaltende Nebenwerk u.a. zur Begleitung des Priestergesanges, der Schola oder der Kommunion eingesetzt wurde. Für kleine Orgeln, die ihrer Registerzahl nach eigentlich einmanualig gebaut werden müssten, benutzte Schorn Zwillingsladen und konnte somit auch bei diesen Instrumenten zwei Manuale bauen. Für die Verhältnisse im vorigen Jahrhundert war das für kleine Dorfkirchen schon ein ziemlicher Luxus. Das Pedalwerk hat lediglich Bass-Funktion, da es entweder an das erste Manual (bei kleinen Orgeln) angehängt ist oder ganz aus Transmissionen besteht oder sonst nur mit wenigen Registern sehr grundtönig disponiert ist. Virtuoses Pedalspiel ist wegen der außergewöhnlichen Pedalmensur und der oft zum Spieltisch geneigten Orgelbänke nur schlecht möglich; scheitert bei kleineren Orgeln auch meist am Umfang des Pedals. Oft werden bei Restaurierungen auch neue Orgelbänke angeschafft, da man mit den Rückenlehnen der „Schornbänke“ überhaupt nicht gut spielen kann. Längst haben moderne Orgelbaumeister erkannt, dass gewisse Modernisierungen in die Irre geführt hätten, wenn man sie konsequent weiterentwickelt hätte, und so ist der konservative Schorn moderner als die fortschrittlichen Orgelbauer seiner Zeit. Manche Orgeln, die um 1960 gebaut wurden, sind reif zum Verschrotten, die Schorn-Orgeln dagegen erfahren erst jetzt die Anerkennung, die ihnen gebührt.

In erster Linie sind die Schorn-Orgeln für den Gottesdienst konzipiert, für die Liedbegleitung bei der Heiligen Messe und bei den Andachten, und dienen der Verinnerlichung und Erhebung des menschlich-religiösen Empfindens. Gezielt ausgewählte Literatur aus der Barockzeit, der Klassik und Romantik lässt sich sehr gut darstellen. Beweis dafür sind die zahlreichen Orgelkonzerte, die an Schorn-Orgeln stattfinden (Zingsheim, Kuchenheim, Kirchheim, Nettesheim), zudem auch die zahlreichen Rundfunk-, Schallplatten- und CD-Aufnahmen.

Discographie: Historische Schorn-Orgeln im Rheinland (3), Kurt-Ludwig Forg, Orgel; Werke von E. Köhler, T. Kirchner, L. Thuille, J. Haas, C.A. Bossi; Bezugsquelle
Literatur: Kurt-Ludwig Forg, Die Schorn-Orgel zu St. Nikolaus, Kuchenheim, in: Ars Organi, Juni 1983, S. 118–124

Kurt-Ludwig Forg, Die Orgeln in der St.-Nikolaus-Kirche zu Kuchenheim, in: Cuchenheim 1084-1984. Bd. II, Euskirchen 1984

Weblinks: Seite der Kirchengemeinde

Die Orgel auf der Seite der Fa. Weimbs

Zeitungsartikel über Orgelbauer / Kirche

Zeitungsartikel anlässlich der abgeschlossenen Restaurierung 2007

Die Kirche auf der Seite der Kommune