Bochum, Hauptfriedhof (Große Trauerhalle)

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Blick ins Pfeifenwerk (Aufn. 1939)
Zentralfriedhof Bochum, Trauerhalle.jpg
005 Hauptfriedhof Bochum, 14 Sept 2011.jpg
Orgelbauer: E.F. Walcker & Cie (Ludwigsburg)
Baujahr: 1938 • op.2613
Geschichte der Orgel: Es handelt sich um eine sogenannte Tonhallenorgel (alle Register stehen in einem Generalschweller. Bei der Erbauung wurde eine spätere Erweiterung vorbereitet, die jedoch nicht realisiert wurde. So sind im Spieltisch noch heute je 2 Reservewippen für das I. Manual und Pedal, und 3 Reservewippen für das II. Manual vorhanden.

Die Orgeln in beiden Trauerhallen des Hauptfriedhofs waren lange Zeit unspielbar. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat im März 2026 glücklicherweise beschlossen, die Sanierung zweier Orgeln in den Trauerhallen des Bochumer Hauptfriedhofs mit 125.000 Euro zu fördern. Die Mittel stammen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Insgesamt sind für die Ertüchtigung und Restaurierung der beiden Instrumente rund 250.000 Euro vorgesehen. Die Stadt Bochum stellt dafür einen Eigenanteil in gleicher Höhe bereit. "Mit der Förderung kann ein bedeutendes Zeugnis der Orgelbaukunst des frühen 20. Jahrhunderts gesichert werden und bald wieder erklingen. Die Umsetzung der Maßnahmen soll nach Bewilligung der Fördermittel zeitnah erfolgen."

Spieltraktur: elektropneumatisch
Registertraktur: elektropneumatisch
Registeranzahl: 14 (17)
Manuale: 2 C-g3
Pedal: C-f1
Spielhilfen, Koppeln: II/I, II/P, I/P, Ober II/I, Unter II/I; Handregister ab; Crescendo-Walze mit Anzeiger; Tutti; 2 freie Kombinationen; Koppeln aus der Walze; Schweller für ganzes Werk.




Disposition am Spieltisch[1]

I. Manual II. Manual[2] Pedal

Prinzipal 8’

Quintatön 8’

Flauto amabile 8'

Blockflöte 4'

Nachthorn 2'

Mixtur 3f 11/3' [3]

Bourdon* 8'

Salicional* 8'

Unda maris* 8'[4]

Hornprincipal* 4'

Rohrflöte* 4'

Schwiegel 2’

Subbass 16’

Gedecktbass 16' [5]

Violon 8’

Gedecktflöte 8' [6]

Flöte 4' ’ [7]

Anmerkungen
  1. in Übereinstimmung mit den Angaben im Opusbuch
  2. 5 Register (*) ausgebaut bis g4
  3. ursprünglich vorgesehen: Sesquialtera 2f
  4. von 4' an
  5. Windabschwächung von Subbass 16'
  6. Transmission aus Bourdon 8' (II)
  7. Transmission aus Rohrflöte 4' (II)



Bibliographie

Anmerkungen: Die Gebäude am Haupteingang entstanden erst nach der Eröffnung vom Hauptfriedhof Bochum zwischen 1935 und 1939. Sie bestehen aus Ruhrsandstein und sind in einem repräsentativen Baustil ihrer Zeit gehalten. Sie sind monumental und von klaren vertikalen, also senkrechten Strukturen geprägt. Fast alle Gebäude sind miteinander verbunden und bilden ein Ensemble, das heute unter Denkmalschutz steht.

Das größte Bauwerk ist die zentrale Trauerhalle mit einem hohen Atrium, das den Blick in den Himmel öffnet. Die Größe des Bauwerks wird im Foto erst im Vergleich mit der blonden Person deutlich. Rechts und links des Portals stehen sechs überlebensgroße Figuren, zu denen die Besuchenden hinaufschauen müssen. Nebenan befindet sich eine kleinere Trauerhalle mit einer weiteren Statue, die das architektonische Ensemble ergänzt.

Der Bochumer Anzeiger vom 22. März 1939 berichtet: "Die neue Orgel der großen Trauerhalle ist ein kleines Wunderwerk. Musikdirektor Mehrmann (Bochum), nach dessen Angaben sie erbaut wurde und der sie auch bereits zur Probe spielte, gibt darüber folgendes Urteil ab:
«Die Orgel in der großen Trauerhalle ist von der Firma E. F. Walcker, Ludwigsburg, einer der ersten Orgelbauanstalten, gebaut worden. Sie enthält zwei Manuale, Pedal mit zusammen 17 Registern und allen Hilfsmittel einer modernen Orgel. Die Anlage der Orgel ist vollkommen elektrisch. Die Auswahl der Register ist so getroffen worden, daß sie in erster Linie der eigentlichen Aufgabe dieser Orgel, Trauerfeiern musikalisch auszugestalten, entspricht, daß es aber auch möglich ist, das Instrument bei Konzerten und Feierstunden wirkungsvoll einzusetzen. Trotz der verhältnismäßig geringen Registerzahl bietet das Werk eine ersiannliche Fülle von Klangmöglichkeiten, die dank der hervorragenden Akustik der Trauerhalle zur vollen Entfaltung gebracht werden. Beim Erklingen des vollen Werkes hat man den Eindruck, als ob die Orgel die doppelte Anzahl der Register enthalte. Man kann auf dieser Orgel sowohl ein Orgelwerk von Bach, als auch das eines modernen Meisters spielen. Die Stadt Bochum besitzt mit diesem Werk das schönste und umfangreichste, das im Industriegebiet in einer Trauerhalle steht.»
Wenn einleitend schon betont wurde, daß Bochums neuer großer Friedhof eine der schönsten Anlagen dieser Art ist, so darf man dazu noch feststellen, daß hier am Freigrafendamm mit den schlichten und edlen Mitteln, die der Würde der Stätte angepaßt sind, ein Gesamteindruck erreicht wurde, dessen Wucht sich niemand zu entziehen vermag.
"

Literatur: Walcker-Opusbuch Nr.36, S. 470-475
Weblinks: Wikipedia

Der Hauptfriedhof auf www.ruhrgebiet-industriekultur.de

...auf den Seiten der Stadt

Zeitungsbericht über Friedhof und Orgel im Bochumer Anzeiger