Arnsberg/Rumbeck, St. Nikolaus

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Datei:Hinrich Klausing Orgel Rumbeck.JPG
Frontalansicht auf Spielanlage und Gehäuse.
Datei:Kloster Rumbeck Orgel 1.jpg
Blick vom Kirchenschiff aus auf die Orgelempore.
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Seitlicher Blick auf Gehäuse und Prospekt von der Orgelempore aus.
Datei:Kloster Rumbeck Orgel 4.jpg
Spielschrank der Klausing-Orgel.
Orgelbauer: Hinrich Klausing, Herford
Baujahr: 1700
Geschichte der Orgel: 1658 erwähnt das Schwesternverzeichnis des Prämonstratenserinnen-Stiftes Rumbeck eine Organistin namens Anna Emiliana von Strotzingen, womit für diese Zeit die Existenz einer Orgel bezeugt ist. Abgesehen von seiner Existenz ist über dieses Instrument nichts weiter bekannt; eventuell stammte es von Johann Busse, Orgelbauer im Raum Arnsberg aus dem frühen 17. Jh.

Unter Wiederverwendung von Pfeifenmaterial vermutlich aus der Vorgängerorgel errichtete Hinrich Klausing, Herford, 1700 ein neues Instrument für das Kloster Rumbeck. Es handelte sich um ein einmanualiges Instrument mit angehängtem Pedal. Der im Prospekt befindliche Praestant 4' stammt aus einem spätgotischen Prospekt; einzelne dieser Pfeifen lassen sich in die Mitte des 15. Jh. einordnen und sind damit heute das älteste Pfeifenmaterial der Klausing-Orgel. Einer Quelle von 1829 zufolge – bis zu diesem Zeitraum liegen keine schriftlichen Quellen zur Klausing-Orgel vor – umfasste die Orgel damals sieben Register. Vergleichenden Untersuchungen Thomas Niemands zufolge könnte die Klausing-Orgel ursprünglich jedoch zehn Register umfasst haben.

1829/1830 wurde die Orgel durch Engelbert Ahmer, Letmathe, erweitert und umgebaut. Sie erhielt ein II. Manual sowie ein eigenständiges Pedal; außerdem wurde die Orgel umgestellt, der Spieltisch an der Seite des Gehäuses angebracht und die vermutlich noch von Klausing selbst stammende Keilbalganlage ersetzt. In den folgenden Jahrzehnten befand sich das Instrument teils in einem schlechten Zustand und musste häufig repariert werden. Insbesondere war das Pfeifenwerk spätestens seit dem Umbau 1829/1830 freistehend und so Schmutz schutzlos ausgeliefert. Zu einer Beschlagnahme von Pfeifenmaterial für die Rüstungsherstellung im Ersten Weltkrieg ist es nicht gekommen, obwohl bereits ein Besichtigungstermin für diesen Zweck vereinbart worden war. Ebenfalls nicht in die Tat umgesetzt wurden Pläne von 1925, die die vollständige Ersetzung der historischen Klausing-Orgel durch ein Instrument aus dem aufgegebenen Arnsberger Lehrerinnenseminar oder wenigstens einen weitreichenden Umbau, der Teile des ältesten Pfeifenmaterials stark betroffen hätte, vorgesehen haben.

Unter Begleitung von Rudolf Reuter erfolgte 1955/1956, als sich die Orgel in einem nahezu unspielbaren Zustand befand, eine erste Restaurierung durch Emanuel Kemper, Lübeck, die sehr umfangreiche Änderungen am Pfeifenmaterial sowie an der Spielanlage vornahm und neue Register hinzufügte. Wie für die damalige Zeit üblich, handelte es sich um eine Restaurierung, die am damaligen neobarocken Klangideal angelehnt war und keine Rücksicht auf den historisch gewachsenen Zustand nahm. Dass die Restaurierung kaum nachhaltig war, zeigt sich deutlich daran, dass das Instrument 1977 erneut kaum mehr spielbar war. Daher fand 1978/1979 durch Gebrüder Stockmann, Werl, eine weitere Instandsetzung statt, die wiederum teils stark in das Orgelwerk eingriff. Nach wie vor war das Orgelgehäuse jedoch nicht geschlossen und das Pfeifenwerk somit nicht ausreichend vor Schmutz geschützt. Die Posaune 16' von 1829/1830 wurde durch ein Fagott 16' ersetzt; 1991 wurde die zwischenzeitlich wiederaufgefundene Posaune 16' jedoch wieder eingebaut. Inzwischen litt das Pfeifenwerk auch stark an Bleifraß.

Von Januar 2005 bis Oktober 2006 erfolgte nach jahrelangen Vorüberlegungen eine umfangreiche historisierende Rekonstruktion durch Gebrüder Hillebrand, Altwarmbüchen bei Hannover, in deren Rahmen viele Maßnahmen des Umbaus von 1956 rückgängig gemacht werden konnten. Im Wesentlichen sollte der Ursprungszustand der Orgel von 1700 wiederhergestellt werden, wobei die meisten Erweiterungen aus dem 19. Jh. beibehalten werden sollten. Einige der 1956 ergänzten Register wurden durch an erhaltenen Vorbildern aus der Werkstatt Klausing angelehnte Rekonstruktionen ersetzt. Auch die drei Windladen, die Spielanlage, die Traktur und die Keilbalganlage wurden nach historischen Vorbildern neu erbaut.

2023 wurde die Orgel aufgrund von Schimmelbefall komplett gereinigt und ist seit dem 18. Juni 2023 wieder spielbar.[1]

Stimmtonhöhe: a1 = 466 Hz
Temperatur (Stimmung): modifizierte Mitteltönigkeit (1/4 pythagoräisches Komma)
Windladen: Schleifladen
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Registeranzahl: 15
Manuale: 2 C, D-c3
Pedal: C-d1
Spielhilfen, Koppeln: Tremulant; Cymbel; Koppeln: II/I (Schiebekoppel), I/P




Disposition der Klausing-Orgel nach der Restauration 2005/2006

I Hauptwerk II Positiv Pedal

Praestant 4'[2]

Gedact 8'[3]

Duesflaut 4'[4]

Quinta 3'[5]

Octav 2'[4]

Sexquialtera 2f (Bass und Diskant)[6]

Mixtur 4f[7]

Trompett 8' (Bass und Diskant)[6]

Gamba 8'[6]

Bordun 8'[8]

Holzflöte 4'[9]

Spitzflöte 2'[9]

Subbaß 16'[10]

Octavbaß 8'[10]

Posaune 16'[10]


  1. Ein Kleinod: Die Hinrich Klausing Orgel, foerderverein-rumbeck.de.
  2. Register von Hinrich Klausing 1700 auf Grundlage von Pfeifenmaterial aus einer früheren Orgel des 16./17. Jh., das wiederum auf altem Pfeifenmaterial aus dem 15. Jh. basiert.
  3. Register von Hinrich Klausing 1700 auf Grundlage von Pfeifenmaterial aus einer früheren Orgel des 16./17. Jh.
  4. 4,0 4,1 Register von Hinrich Klausing 1700.
  5. Register von Hinrich Klausing 1700 auf Grundlage von Pfeifenmaterial aus einer früheren Orgel des 16./17. Jh.; erweitert 2005/2006 durch Gebrüder Hillebrand.
  6. 6,0 6,1 6,2 Neu rekonstruiertes Register von Gebrüder Hillebrand (2005/2006).
  7. Register von Hinrich Klausing 1700; erweitert 2005/2006 durch Gebrüder Hillebrand.
  8. Register aus dem 18. Jh.; aus einer fremden Orgel eingebaut 1955.
  9. 9,0 9,1 Register von Engelbert Ahmer 1830.
  10. 10,0 10,1 10,2 Register von Engelbert Ahmer 1830; erweitert 2005/2006 durch Gebrüder Hillebrand.



Disposition der Klausing-Orgel Stand 1979[1]

I Hauptwerk II Oberwerk Pedal

Gedackt 8'

Quintadena 8'

Principal 4'

Duesflöte 4'

Quinte 3'

Octav 2'

Mixtur 3f

Singend Gedackt 8'

Holzflöte 4'

Spitzflöte 2'

Sesquialtera 2f

Zimbel 3f

Krummhorn 8'

Tremulant

Subbaß 16'

Octavbaß 8'

Quintadena 4'

Fagott 16'



Disposition der Klausing-Orgel Stand 1944[2]

I Obermanual/Hauptwerk II Untermanual/Nebenwerk Pedalwerk

Prinzipal 4'

Gedact 8'

Spitzflöte 4'

Duesflöte 4'

Quinte 3'

Octave 2'

Mixtur 2' 3f

Gamben 8'

Flöte 8'

Flöte 4'

Spitzflöte 2'

Subbaß 16'

Violon 8'

Posaune 16'


  1. Rudolf Reuter: Historische Orgeln im Hochsauerlandkreis (Westfälische Kunststätten 9), Münster 1979; nach Eintrag zur Klausing-Orgel bei orgbase.nl.
  2. Thomas Niemand: 300 Jahre Hinrich Klausing Orgel in St. Nikolaus Rumbeck, in: Arnsberger Heimatblätter, 2000, S. 12–24, hier S. 19. Die Angaben Spitzflöte 4' und Posaune 16' stammen aus einer früheren Dispositionsaufzeichnung von 1936; die Quelle von 1944 listet diese Register als Spitzflöte 2' und Posaune 32'.


Bildergallerie



Bibliographie

Quellen/Sichtungen: Thomas Niemand: 300 Jahre Hinrich Klausing Orgel in St. Nikolaus Rumbeck, in: Arnsberger Heimatblätter, 2000, S. 12–24; Thomas Niemand: Die Restaurierung der Hinrich Klausing-Orgel in St. Nikolaus, Rumbeck, in: Arnsberger Heimatbletter, S. 59–61; Ein Kleinod: Die Hinrich Klausing Orgel, foerderverein-rumbeck.de.; Eintrag zur Klausing-Orgel bei orgbase.nl.
Discographie: Hinrich Klausing-Orgel Arnsberg-Rumbeck. Mark Ehlert und Thomas Niemand spielen Werke des Barock (2008).