Biebertal/Krumbach, evang. Kirche

Version vom 3. April 2026, 20:16 Uhr von Jrbecker (Diskussion | Beiträge) (Umbau der Orgel mit Stand der Besichtigung ergänzt, Fotos eingefügt)


Prospekt
Blick zu Kanzel, Altar und Orgel
Blick aus dem Schiff zu Altar, Kanzel, Orgel
Spieltisch
Orgelbauer: E.F. Walcker & Cie.
Baujahr: 1928 als Opus 2213
Geschichte der Orgel: Gemäß dem Walcker-Opusbuch (s. unten) wurde die Orgel am 12.04.1928 bestellt, als Lieferzeit ist "bis Oktober 1928" genannt, als Ablieferungstermin der 30.11.1928 eingetragen. Die Orgel verfügte demnach von Anfang an über ein "Walcker'sches Orgelgebläse "Aeolus" mit Drehstrommotor/3 Phasen, 220 Volt, 50 Perioden für die ganze Orgel. Hierzu eine Schöpfer- und Tretvorrichtung."

Bemerkenswert für die Bauzeit des Instrumentes ist, dass keine einzige Pfeife mit einer 40%igen Zinnlegierung verbaut wurde, sondern alle kleineren Zinnpfeifen (525 St.) in einer 75%igen Legierung geliefert wurden. 105 Pfeifen sind aus Holz, 84 aus Zink.

Umbauten: Die Orgel wurde zu einem noch nicht ermittelten Zeitpunkt (wahrscheinlich in den 1960er/-70er Jahren) im Sinne der Orgelbewegung verändert. Dabei wurde die Voix Celeste zu einem flötig klingenden 2'-Register umgearbeitet, außerdem folgende Änderungen an den technischen Einrichtungen vorgenommen:

- Die Lade für die Erweiterung der ausgebauten Oberoktavkoppel für das II. Manual wurde stillgelegt oder ausgebaut, bei den ursprünglich bis g4 ausgebauten Registern endet die Wirkung der Koppel bei g2(=Ton g3 des Registers).

- Die Schwelljalousien für das II. Manual wurden sillgelegt oder ausgebaut, da auch der dazugehörige Schwelltritt im Spieltisch entfernt wurde, spricht dies für einen Ausbau. (Der genaue Sachverhalt ist noch zu klären.)

Temperatur (Stimmung): gleichstufig
Windladen: Kegelladen
Spieltraktur: pneumatisch
Registertraktur: pneumatisch
Registeranzahl: 12, davon 1 Windabschwächung und 1 Transmission
Manuale: 2, Tonumfang: C - g3, Superoktavkoppel im II. Manual bei 4 Registern bis g4 ausgebaut[1]
Pedal: Tonumfang: C-f1
Spielhilfen, Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/Ped, II/Ped

Unteroktavkoppel II/II[2]

Oberoktavkoppel II/II[2]

Handregister, Handregister ab

Freie Kombination

Festkombinationen: Piano, Mezzoforte, Tutti

Crescendo-Walze mit Anzeiger[3]




Nach der Beschriftung des Spieltischs, Stand 15. März 2026

I. Manual II. Manual[4] Pedal

Principal 8′

Gedackt 8′

Dulciana 8′

Octave I-IV 4′[5]

Hornflöte 8'[6]

Salicional 8′[6]

Voix celeste 2′[7][8][6]

Spitzflöte 4′[6]

Rauschquinte 2 2/3[9]

Subbass 16′

Sanftbass 16′[10]

Octavbass 8′[11]


Anmerkungen
  1. Bei der Besichtigung durch jrbecker lag in der Traktur des II. Manuals ein technischer Defekt im Spieltisch vor, sodass das II. Manual nur bis fis3 spielbar war, dieser Hinweis konnte dem an der Orgel liegenden Wartungsheft der Werkstatt Förster & Nicolaus entnommen werden.
  2. 2,0 2,1 Zusatz im Walcker-Opusbuch: "durch II an I auch in I wirkend"
  3. Die Walze war bei der Besichtigung durch jrbecker in Betrieb, sie ist nicht abschaltbar, d. h. eine entsprechende Walzendrehung "übersteuert" eine eingestellt Handregistrierung. Allerdings war der Anzeiger für die Walze zum Zeitpunkt der Besichtigung defekt, er verharrte in der in den Fotos sichtbaren Stellung.
  4. ursprünglich schwellbar, Schwelltritt im Spieltisch wurde ausgebaut, wahrscheinlich auch die Jalousien.
  5. nach den Angaben im Opusbuch 1-4fach, auch sind hier insgesamt 144 Pfeifen angegeben: 12 aus Zink und 132 aus 75%-igem Zinn. Die Zusammensetzung konnte bei einem ersten Besuch des Instruments am 15. März 2026 noch nicht geklärt werden. Das Register beginnt bei C als 4', weitere Chöre treten bei h0 und cis2 hinzu.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 ausgebaut bis g4
  7. ab c0
  8. Das Register wurde zu einer 2'-Flöte umgearbeitet oder durch eine solche ersetzt. Die Beschriftung "Voix celeste" auf der Registerwippe wurde beibehalten, nur die Fußtonlage geändert.
  9. Das Register ist 1-3fach: es beginnt bei C als 2', bei c0 tritt der 2 2/3′-Chor hinzu, bei g2 tritt ein 4'-Chor hinzu.
  10. Windabschwächung Subbass 16'
  11. Transmission aus Principal 8' des I. Manuals - lt. Opusbuch Walcker ursprünglich als eigenes Register mit 12 Holz- und 18 Zinkpfeifen geplant, mit Eintrag vom 25.05.1928 ist jedoch der Hinweis zur Transmission aus Pr. 8' hinzugefügt, die Pfeifenzahl hinter dem Register gestrichen und auch die Gesamtpfeifenzahl von 744 auf 714 reduziert. Die Ausführung als Transmission konnte beim Besuch durch jrbecker bestätigt werden.



Bibliographie

Quellen/Sichtungen: Eigene Sichtung User jrbecker am 15. März 2026
Literatur: Walcker-Opusbuch Nr. 31, S. 172 - 178.

Bösken, Franz: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (=Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte, Band 7,1), Band 2: Das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Wiesbaden. Teil 1: A–K, S. 532, Schott, Mainz, 1975, ISBN=3-7957-1307-2

Weblinks: Website der Kirchengemeinde